Klimawandel – Gute Aussichten für morgen?

Vortragsabend mit Diplom-Meteorologe Sven Plöger

 

In die Mitte genommen: Diplommeteorologe Sven Plöger wurde nach seinem Vortrag von den Vertretern des veranstaltenden Netzwerks mit Honig-Produkten veranschiedet, auf dem Bild (von links) Annette Seehaus-Arnold, Methias Klöffel, Helmut Schwartl, Sven Pl

Signierte bereitwillig seine Bücher: Sven Plöger ist Wetter- und Klimaexperte.

Mehr als 400 Zuhörer interessierten sich für den Vortrag des Meteorologen Sven Plöger.

31.01.2017

Der BUND Naturschutz hatte zu diesem Vortrag im Rahmen einer Netzwerkpartnerschaft, bestehend aus dem Bayerischen Bauernverband Kreisverbad NES/KG,  der Energieinitiative Rhön-Grabfeld und dem Kreisverband Rhön-Grabfeld der Imker in die Festhalle Heustreu eingeladen.

Weit über 400 Interessierte waren von dem lebendigen, humorvollen, mit vielen aktuellen Daten und Fakten untermauerten Vortrag des „ZDF-Wetter-frosches“ begeistert.

Presseartikel und Fotos von Regina Vossenkaul Main Post 31.01.2017:

Wetterbericht aus dem Jahr 2050
Klimawandel trifft alle – „ARD-Wetterfrosch“ Sven Plöger erklärte den Jetstream

Heustreu (rv) Was sagt uns der Wetterbericht von 2050, was hat das Abschmelzen des Nordpoleises mit dem Wetter in Rhön-Grabfeld zu tun und warum will „Wetterfrosch“ Sven Plöger mal bei Donald Trump anrufen? Fragen wie diese beantwortete der Diplom-Meteorologe und Buchautor Plöger in seinem Vortrag in Heustreu auf Einladung des Netzwerks der Kreisverbände des BBV, des BN, der Imker und der Energie-Initiative.

41 Grad, Tornadowarnung, tropische Nächte und neun Zentimeter große Hagelkörner sind für das Jahr 2050 ganz normal, zeigte Plöger in einem kurzen Einführungsvideo. Mit viel Humor und eindrucksvollen Bildern von Wetterphänomenen und ihren Folgen erklärte der Meteorologe allgemeinverständlich komplexe Zusammenhänge. „Wir leben nicht nachhaltig“, machte er klar, die Verlierer sind zuerst die ganz armen Länder wie Bangladesh. „Wir müssen auf uns schauen, aber dürfen den Blick auf die anderen Länder nicht verlieren.“ Gibt es „alternative Fakten“ in Sachen Klimawandel? „Das ist der Natur egal. Ich rufe Trump nächste Woche mal an, es gibt Einiges, was man ihm erklären sollte“, scherzte Plöger. Unter anderem, dass die globale Temperatur seit 1880 schon um 0,94 Grad gestiegen ist. Ob die Begrenzung auf 2 Grad gelingt? „Ich wünsche es.“

Besondere Wetterkapriolen gab es schon immer, aber die über 30 Jahre erhobenen Klimastatistiken zeigen den durchschnittlichen Anstieg der Temperaturen genau und die Geschwindigkeit der Erwärmung hat zugenommen. Die Schlüsselstelle „Jetstream“ erklärte der Referent. Wenn die Reflexion des Sonnenlichts durch weniger Eis am Nordpol abnimmt, erwärmt sich die Polregion. Folge: Der wetterbestimmende Jetstream, der vom Temperaturunterschied zwischen Nordpol und Äquator lebt, verlangsamt sich. Dadurch entstehen Wetterphänomene wie lange Hitze- und Dürreperioden oder Starkregen auf einem Fleck immer öfter. Das Wetter wird unberechenbarer. „Der Mensch ist Täter und Opfer zugleich.“ Plöger bedauerte, dass 80 Prozent der Energie noch immer aus fossilen Brennstoffen erzeugt werden und brach eine Lanze für die fast unerschöpfliche Sonnenenergie, mehr Energieeffizienz und die Windkraft. Mit den Worten von Altkanzler Kohl „Entscheidend ist, was hinten rauskommt“, verwies er auf zwei Millionen Autos, die pro Monat in China verkauft werden und fragte, warum man für den Transport von 85 Kilo (sein eigenes Gewicht) 1500 Kilo Blech oder mehr mitnehmen muss? Und warum kauft man einen Geländewagen? Vielleicht wegen der vielen Erdhügel auf den Autobahnen? Fleisch essen müsse man auch nicht jeden Tag, unter anderem wegen der bei der Tierhaltung entstehenden Methangase, die noch schädlicher fürs Klima sind als CO2. Er warnte vor Klimaskeptikern, die ganz einfache Erklärungen anbieten. Der Klimawandel sei ein ganz komplexes System, aber man spüre, die Menschen wachen auf.

In der Diskussion beantwortete Plöger bereitwillig die Fragen, soweit er als Klimaexperte das konnte und empfahl, Ängste nicht überzubewerten. Das bezog sich auf die Frage nach dem befürchteten Zusammenbruch der Automobilindustrie, wenn E- Autos sich durchsetzen. „Die Emissionen müssen runter“, so Plöger. Es würden wieder neue Arbeitsplätze entstehen und neue technische Entwicklungen auch in Sachen Speichertechnik. Das Bevölkerungswachstum, der Kampf der Öl-Lobby gegen die erneuerbaren Energien und der Reisanbau, der auch Methan freisetzt, waren weitere angesprochene Themen. Es dürfe nicht sein, dass der, der am meisten die Umwelt schädigt, am besten verdient, so Plöger. Er ermunterte die Zuhörer im eigenen Umfeld etwas zu tun. „Es kommt auf jeden Einzelnen an“.

Energiewende findet auf dem Land statt. Wetter- und Klimaphänomene und ihre Folgen

Heustreu (rv) Alle verfügbaren Sitzgelegenheiten mussten zusätzlich herbeigeschafft werden, um es den mehr als 400 Zuhörern in der Festhalle in Heustreu bequem zu machen. Bevor der „Wetterfrosch“ Sven Plöger seinen Vortrag startete, stellten sich die Vorsitzenden des veranstaltenden Netzwerks kurz vor.

BBV-Kreisobmann Matthias Klöffel hatte die Begrüßung übernommen und konnte neben den stellvertretenden Landräten Josef Demar und Peter Suckfüll auch den Heustreuer Bürgermeister Ansgar Zimmer, Robert Bromma und Peter Kraus vom Amt für Ländliche Entwicklung, Dr. Joachim Liebler von der Regierung von Unterfranken und viele mehr willkommen heißen. „Die Energiewende findet auf dem Land statt – vor allem hier gibt es die Möglichkeit Projekte umzusetzen“, sagte Klöffel, allerdings stünden sich Chancen und Kampf gegenüber. Man brauche Allianzen, unter anderem für Veranstaltungen wie diese, in denen den Menschen klargemacht wird, dass es um mehr geht als um zusätzliche Grillabende und Badetage. Aus dem theoretischen Teil, der im Landkreis durch mehrere Veranstaltungen bedient wurde, sollten jetzt aber Taten folgen. Er lud alle Interessenten dazu ein, sich in Vereinen und Verbänden zu engagieren.

Von der Verantwortung gegenüber denen, die den Klimawandel hautnah erleben, aber auch gegenüber den Kindern und Enkeln sprach BN-Kreisvorsitzende Susanne Richter. Erschütternd fand sie, dass eine Stunde nach der Amtsübernahme von Präsident Trump die Umweltseite des Weißen Hauses aus dem Internet verschwand. „Wir bleiben dran und gehen den Weg weiter.“

Auch die Bienen leiden – Varroa-Milbe und Beute-Käfer sind nur die Vorboten der Schädlinge, die noch einwandern, wenn es wärmer wird. Die Ernährung der Weltbevölkerung hänge eng mit der Bestäubungsleistung der Bienen zusammen, erklärte Imkerverbands-Kreisvorsitzende Annette Seehaus-Arnold.

Der Vorsitzende der Energie-Initiative Rhön und Grabfeld, Helmut Schwartl, erinnerte an das 20jährige Bestehen des Vereins, der als „Geburtstagsgeschenk“ die Veranstaltung mitorganisiert hat. Er erinnerte an das Klimaabkommen von Paris und die Einigung in Marrakesch – man brauche große und auch kleine Netzwerke, um das Ziel „100 Prozent erneuerbare Energien“ durchzusetzen. Sein Dank galt unter anderem den Sponsoren, die dazu beigetragen haben, den Vortragsabend kostenfrei anzubieten.