„Neue Blühflächen im Grabfeld“

Das dramatische Insektensterben und die damit verbundene Gefahr großer wirtschaftlicher und ökologischer Schäden hat viele Menschen alarmiert. Ein Umdenken zum Umgang mit Insekten und ihren Lebensräumen bereits begonnen. Wie können wir den Insekten helfen und ihre Lebensräume verbessern?

Foto:Vossenkaul Erfreut über die große Resonanz: Bürgermeister Thomas Helbling (von links), Fachberater Georg Hansul und BN-Ortsvorsitzender Dieter Jetschni hatten zur Auftakt-Informationsveranstaltung eingeladen.

23.02.2018

Bund Naturschutz und Stadt Bad Königshofen schaffen zusätzliche Lebensräume für Insekten

Bad Königshofen (vo) Menschen, die mit Pinseln die Bestäubungsleistungen der Insekten übernehmen, die sie zuvor großflächig vernichtet haben – diese Horrorvision ist in Südchina schon Wirklichkeit. Der BN-Ortsvorsitzende Dieter Jetschni berichtete davon in seiner Begrüßung zur Infoveranstaltung „Neue Blühflächen im Grabfeld“ am Mittwochabend. 

Durch das dramatische Insektensterben entstehen große wirtschaftliche und ökologische Schäden, deshalb hat die Stadt Bad Königshofen gern die Anregung des Bund Naturschutz aufgegriffen, gemeinsam eine Offensive für mehr Blühflächen zu starten. Wie Bürgermeister Thomas Helbling ankündigte, wird die Stadt einige Grundstücke zur Verfügung stellen, auf denen Blühmischungen ausgesät werden.  

Zunächst sprach Fachberater Georg Hansul den dramatischen Rückgang der Insekten insgesamt um rund 75 Prozent an, damit hängt auch der Rückgang der Vogelbrutpaare zusammen. Beispiel: Der Bestand an Staren sank um 42 Prozent. Nicht nur die konventionelle Landwirtschaft muss hier in die Pflicht genommen werden, auch die Versiegelung der Flächen trägt dazu bei. Positive Beispiele für das Schaffen von geeigneten Lebensräumen für Insekten zeigte der Fachberater. Blühstreifen entlang von Feldern und Wegen, innerhalb von Rasenflächen oder auf Verkehrsinseln können die Insekten unterstützen. Brachflächen in der Landwirtschaft wären Oasen in größeren Dimensionen, in Hausgärten in kleinerem Stil. „Das Sauberkeitsdenken muss man beiseitelassen“, so Hansul. Die abgeblühten Flächen können über den Winter stehen bleiben, in den Stängeln und unter Blättern finden Insekten Unterschlupf und die Vögel Nahrung. 

Vier gut erprobte Blühmischungen stellte Hansul vor (Lebensraum 1, Veitshöchheimer Bienenweide, Cosmos und Präriemischung). Wenn gemäht werden muss, sollte die Schnitthöhe auf 10 bis 12 cm gestellt und möglichst kein Mulchmäher benutzt werden. Bleibt das Schnittgut liegen, reichern sich die Nährstoffe an, mehr Gras statt Kräuter kann sich durchsetzen, die Lichtkeimer werden unterdrückt und auf den Verkehrsinseln reichern sich die Schadstoffe an. Wie eine Fläche richtig vorbereitet wird, um als Blühfläche zwischen zwei und fünf Jahren zur Verfügung zu stehen, können Interessenten am 14. April vor dem Bauhof Bad Königshofen in einem Praxiskurs sehen. Der Leiter des Bauhofs, Markus Schunk, lud dazu ein und verwies auf die Blühflächen statt „sterilem Rasen“ auf der Tuchbleiche. Prompt haben sich Bürger über das „Unkraut auf dem Parkplatz“ beschwert. 

Ein weiteres positives Beispiel stellte der Greenkeeper von Maria Bildhausen, Reinhard Michalk vor, der seit 2006 dort Blühflächen anlegt und Hecken pflanzt. Eine vielfältige Tierwelt findet man dort vor, denn das von den Golfspielern genutzte Grün umfasst nur die Hälfte des 140 ha großen Areals, die andere Hälfte ist Ausgleichfläche. Zu Wort kam auch die Kreisvorsitzende der Imker, Annette Seehaus-Arnold, die vom Möbelhaus Angermüller gesponserte Samentütchen und Infoflyer verteilte. 

In der Diskussion wurde das zu häufige und rigorose Abmähen der Böschungen durch Straßenbauamt und Bauhöfe moniert und nach Förderungen für die Landwirte gefragt (gibt es jetzt wieder). Was geschieht, wenn man eine Fläche ganz sich selbst überlässt? Dann entsteht am Ende Wald, antwortete Hansul. Gartenbesitzer wurden kritisiert, die Koniferen, „in die nicht mal eine Blattlaus rein mag“, statt heimische Gehölze pflanzen oder eine „Steinwüste“ anlegen. Die Verbraucher sollten mehr Bioprodukte kaufen, auch das ändert die Bedingungen, hieß es und die Gemeinden sollten eigene Flächen nicht verpachten, damit sie gepflegt werden, sondern als Blühflächen nutzen. „Die Infoveranstaltung ist erst der Anfang der Initiative“, sagte Bürgermeister Helbling, der mit Jetschni und Hansul total überrascht war über die große Resonanz – der kleine Kursaal war überfüllt und es mussten diverse Stühle herbeigeschafft werden.

(Mainpost, 23.2.2018)