Arbeitskreis „Energieautarke Region“

Arbeitskreis energieautarke Region fühlt sich ausgebremst

Bad Neustadt (rv) “Ausgebremst” – diese Überschrift steht auf einer Dokumentation des Arbeitskreises „Energieautarke Region“, der die Zusammenfassung seiner Arbeit seit 2011bei einem Pressetermin vorlegte. Enttäuscht sind die Mitglieder des Arbeitskreises (AK), der aus je vier Mitgliedern der Kreisgruppe des Bund Naturschutz und der Energie-Initiative Rhön und Grabfeld besteht. Ihre Ziele: Die erneuerbaren Energien sollen im Landkreis so weit vorangebracht werden, dass bis zum Jahr 2020 eine energieautarke Region entsteht und damit so viel Wertschöpfung wie möglich  in der Region bleibt, Arbeitsplätze geschaffen werden und erhalten bleiben und sich die Abhängigkeit von Gas- und Ölimporten reduziert.

Um diese Ziele zu erreichen sollte ein Energienutzungskonzept für den Landkreis aufgestellt werden und, wie Sprecherin Susanne Richter und Sprecher Helmut Schwartl vortrugen, ein Energiemanager beschäftigt werden, der die Umsetzung gemeinsam mit heimischen Akteuren moderiert. Zunächst sollte über konkrete Energie-Einsparmöglichkeiten bei Kommunen, in Betrieben und Wohngebäuden informiert und der Ausbau der erneuerbaren Energien unterstützt werden. Schon im Oktober 2010 seien ähnliche Ziele bei der Vorstellung der Energiepolitik des Landkreises im Kreistag aufgezählt worden und es war von der Vorbildfunktion des Landkreises und der notwendigen Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung die Rede, berichtete Schwartl. „Besser hätten wir es selbst nicht formulieren können.“ 

Zunächst hatte der AK Energieautarke Region den Eindruck, man komme gut voran. Bündnis90/Die Grünen hatten im Kreistag einen Antrag auf Erstellung eines Energienutzungskonzepts gestellt, daraufhin wurden für das Jahr 2014 dafür 50.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Es folgte unter anderem ein Koordinierungsgespräch im Landratsamt mit Akteuren aus der Energiebranche des Landkreises. Die Mehrheit der Beteiligten sprach sich für das Erstellen eines Energienutzungskonzepts aus. Als es dann im Juli darüber zur Abstimmung im Kreistag kam, wurde das jedoch abgelehnt.

Die Enttäuschung nach so viel Vorarbeit mit Informationsveranstaltungen, Vorträgen, Besprechungen und Aktionen war groß. „Das ist für uns sachlich nicht nachvollziehbar“, formulierte Schwartl. „Da es im Landkreis bereits etliche vorbildliche Projekte gibt, wäre es ein Leichtes darauf aufzubauen.“ Er erwähnte die Gemeinden der Kreuzberg-Allianz, die im Sommer ein eigenes Energienutzungskonzept vorgestellt haben, die drei genehmigten Windparks, bestehende Nahwärmenetze in mehreren Gemeinden und ausgezeichnete Beispiele wie das Bioenergiedorf Großbardorf. Dazu kommt die Elektromobilitätsstadt Bad Neustadt – alles könnte sinnvoll vernetzt und weiter ausgebaut werden.

„Nach wie vor ist aus Sicht des AK eine koordinierte Energiewende nicht nur aus ökologischen und sozial-gesellschaftlichen Gründen geboten, sondern eben auch aus ökonomischen. Der AK wird seine Arbeit fortsetzen und seine Ziele weiter verfolgen“, heißt es in einer Presseerklärung. Diskutiert wurde auch über die Frage, was mit den im Haushalt eingestellten 50.000 Euro passiert. Sie sollten ausschließlich für Energiewende-Projekte eingesetzt werden, forderten die AK-Mitglieder.

Die aktuellen Ereignisse zeigen, wie notwendig ein sauberes, regeneratives, effizientes und umweltgerechtes Energiesystem ist. Themen wie die Zerstörung ganzer Landstriche durch Fracking, die Anhängigkeit vom russischen Erdgas und zunehmende Konflikte um Regionen mit Ölvorkommen wurden angesprochen. Für den Landkreis Rhön-Grabfeld haben die Mitglieder des AK viele Ideen, die mit einem Energiemanager als Bindeglied zwischen den Akteuren durchführbar wären und voranbringen würden. Aufklärungsarbeit schon in Kindergärten und Schulen könnte geleistet werden, man könnte in Zusammenarbeit mit M-E-Nes ein Car-Sharing-System mit Elektroautos sowie ein E-Tankstellennetz aufbauen, Praxisanleitungen für Geschäftsführer und Hausmeister im Bereich Energiemanagement und andere Informationsveranstaltungen durchführen und vieles mehr. „Wenn es ein Konzept gäbe, hätten wir auch weniger Konflikte im Landkreis“, meint Martin Müller. Bürgerengagement werde immer gefordert, aber dann werde man „links liegen gelassen“. „Wir machen aber weiter“, sagte Susanne Richter, dem stimmten die anderen Mitglieder zu.

(Presseartikel vom 11.12.2014)


Der Arbeitskreis „Energieautarke Region“

Die regionale Energiewende voranbringen will ein Arbeitskreis, der 2011 nach der Fukushima-Katastrophe ins Leben gerufen und 2012 offiziell begründet wurde. Er besteht aus Mitgliedern des Bund Naturschutz und der „Energie-Initiative Rhön-Grabfeld“. Diese setzt sich schon seit 1995 für die Förderung regenerativer Energien und den Klimaschutz ein.

Unser gemeinsamer Arbeitskreis hat mehrere große Veranstaltungen durchgeführt und  fördert durch Gespräche und politische Arbeit den Kontakt zwischen den Aktiven im Bereich der Energieversorgung.  Das Hauptziel der letzten zwei Jahren war es,ein Energienutzungskonzeptes im Landkreis anzustoßen, mit dem Energieeinsparungs-Maßnahmen, die Förderung der Energieeffizienz und der weitere Ausbau der regenerativen Energien in einem Gesamtkonzept umgesetzt werden. Dazu fordert der AK die Einstellung eines Energiemanagers, der die beschlossenen Maßnahmen koordiniert und umsetzt. Mindestens bis zu 100 Prozent soll sich der Landkreis bis 2030 aus erneuerbaren Energien in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität versorgen. Der Kreistag befasste sich in seinen Ausschüssen ausführlich mit diesem Thema. Leider wurde im Juli 2014 das Energienutzungskonzept im Kreistag doch abgelehnt. Auch wenn der Landkreis Rhön-Grabfeld in einzelnen Projekten und teilweise auf kommunaler Ebene bereits ein beachtliches Engagement für die Umsetzung der Energiewende zeigt, ist das  ein entttäuschendes Ergebnis. Gegenwärtig befindet sich der Arbeitskreis in einer Phase der Neuorientierung. 


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