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Bürgermeisterkandidaten befragt von der Ortsgruppe Bad Königshofen

Bürgermeister-Kandidaten im Gespräch mit dem BUND Naturschutz

03.02.2026

Bürgermeister-Kandidaten im Gespräch mit dem BUND Naturschutz 

Bad Königshofen steht vor zentralen Zukunftsfragen: Wasser sichern, klima- und naturverträglich bauen, Flächen entsiegeln, Innenstädte beleben. Um vor der Wahl Klarheit über Ziele und Wege zu gewinnen, haben wir die Reihe „Bürgermeister-Kandidaten im Gespräch mit dem BUND Naturschutz“ ins Leben gerufen. Im direkten, sachlichen Dialog machen wir Positionen zwischen den fünf Bürgermeisterkandidat*innen vergleichbar und geben hoffentlich eine fundierte Grundlage für Ihre Entscheidung.

 

Städtische Grünflächen – insektenfreundlich und gepflegt

Grünanlagen sind entscheidend für Klimaresilienz, Artenvielfalt und Lebensqualität in Bad Königshofen. Die Kandidat*innen setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte – von klaren Regeln gegen Steingärten bis hin zu Beratung, Pflegequalität und einem maßvollen Einsatz von Blühflächen. Frank Helmerich plädiert für ein konsequent naturnahes Stadtgrün und würde Schottergärten notfalls per Satzung untersagen; zugleich fordert er ein Umdenken beim Mähen hin zu selteneren, naturnahen Pflegerhythmen und kann sich vorstellen, die Bepflanzung an der Frankentherme durch die Stadt zu übernehmen. Andre Ankenbrand möchte ebenfalls keine Schottergärten, setzt aber auf weniger Verbote und mehr Beratung und befürwortet Blühflächen eher ortsaußen statt pauschal überall. Petra Friedl lehnt Steingärten auch aus Pflegegründen ab und betont zugleich, dass die Kuranlagen gepflegt und optisch ansprechend bleiben müssen. Rüdiger Stamm hält insektenfreundliche Gärten für „super“, sieht deren Wirkung aber als „Tropfen auf den heißen Stein“; er würde städtische Flächen großzügig mit Sträuchern und Blumen bepflanzen. Dirk Schneider schließlich will auf städtischen Grünstreifen Blumen wachsen lassen, statt alle vier Wochen kurz zu mähen, und unterstreicht wie Friedl die Notwendigkeit, Kuranlagen attraktiv zu halten – „nicht wie Kraut und Rüben“. Insgesamt reicht das Spektrum von verbindlichen Regeln über Anreize und Beratung bis zu konkreten Pflegekonzepten; gemeinsam ist allen die Einsicht, dass Stadtgrün für Bad Königshofen eine zentrale Zukunftsaufgabe bleibt.

 

Marktplatz: Viele Erwartungen, wenig Spielraum

Der Marktplatz ist Herz und Bühne der Stadt – und zugleich Zankapfel. Zwischen Wunsch nach mehr Grün, Aufenthaltsqualität und Verkehrssicherheit einerseits sowie den Zwängen knapper Kassen, laufender Märkte, Parkbedarf und Verkehrsführung andererseits bleibt der Spielraum für eine umfassende Umgestaltung derzeit gering. Die Kandidat*innen setzen unterschiedliche Akzente, betonen aber durchweg Realismus und Schritt-für-Schritt-Lösungen.

Frank Helmerich denkt den Platz als kulturellen Mittelpunkt mit mehr Grün, schattenspendenden Bäumen und einer deutlich aufgewerteten Aufenthaltsqualität; er skizziert langfristig sogar große Lösungen wie eine Zisterne unter dem Platz, behält aber Nutzungskonflikte (Marktbetrieb, Barrierefreiheit) im Blick und setzt auf frühzeitige Einbindung von Fachleuten und Bürger*innen. Andre Ankenbrand hält angesichts der Haushaltslage eine Komplettsanierung in den nächsten Jahren für unrealistisch und plädiert für behutsame, finanzierbare Verbesserungen – etwa einzelne Bäume rund um den Brunnen – sowie für einen strukturierten Beteiligungsprozess mit Anliegern und Gewerbe, um eine tragfähige Vision zu entwickeln. Petra Friedel betont den Hitzeschutz durch mehr Grün und kann sich punktuelle Baumgruppen oder Spalierbäume mit Sitzgelegenheiten vorstellen, ohne den Markt- und Veranstaltungsbetrieb zu beeinträchtigen; zentrale Prämisse ist die Vereinbarkeit von Klimaresilienz, Sichtbeziehungen und Pflegeaufwand. Rüdiger Stamm zeigt sich mit der Verkehrsführung im Grundsatz zufrieden und setzt eher auf flexible, versetzbare Pflanzkübel zur optischen Aufwertung und temporären Verkehrslenkung – große bauliche Eingriffe sieht er skeptisch, Parkplätze will er erhalten. Dirk Schneider will das „Betonloch“ aufbrechen, mehr Begrünung und Verkehrsberuhigung, zugleich aber Kurzzeitparkplätze sichern und die Funktionalität für Märkte erhalten; wegen der komplexen Wegebeziehungen im Stadtkreuz und begrenzter Budgets plädiert er für pragmatische, bezahlbare Schritte. Insgesamt reicht das Spektrum von klaren Grün- und Aufenthaltsimpulsen über minimalinvasive Verschönerungen bis zu verkehrsberuhigenden Maßnahmen bei Erhalt der Nutzungen – ein gemeinsamer Nenner ist die Einsicht, dass der Marktplatz nur in Etappen, mit Augenmaß und unter enger Einbindung der Betroffenen weiterentwickelt werden kann.

 

Tempo 30: Sicherheit, Alltagstauglichkeit und klare Regeln

Tempo 30 bewegt die Stadt – zwischen dem Wunsch nach mehr Sicherheit für Fuß- und Radverkehr und den rechtlichen Hürden, die Polizei und Verkehrsbehörden sehen. Die meisten Kandidat*innen verweisen darauf, dass eine flächendeckende Tempo-30-Zone aus polizeilicher Sicht derzeit nicht umsetzbar sei; als Hauptargument gilt, dass in Zonen-Regelungen automatisch „rechts vor links“ gilt und die bestehende Verkehrsführung an mehreren Stellen dafür nicht ausgelegt ist. Andre Ankenbrand befürwortet Geschwindigkeitsreduktionen grundsätzlich, plädiert aber gegen ein generelles Tempo 30 in der gesamten Stadt und setzt auf gezielte Abschnitte – insbesondere dort, wo viele Menschen unterwegs sind, etwa im Umfeld der Schulen und in stark frequentierten Bereichen. Dirk Schneider hebt dagegen hervor, dass Bad Königshofen als Kurstadt prinzipiell gute Gründe für eine vorrangige Tempo-30-Regelung habe und hält eine weitergehende Verkehrsberuhigung für prüfenswert, sofern sie funktional und rechtssicher gestaltet wird. Im Ergebnis zeichnet sich ein pragmatischer Weg ab: mehr Tempo 30 dort, wo es die Sicherheit spürbar erhöht und rechtlich tragfähig ist, begleitet von klarer Beschilderung und angepasster Verkehrsführung – statt einer schnellen, aber rechtlich wackligen Gesamtzone.

 

Leerstände und Ladensterben: Ursachen klar, Wege aus der Krise vielfältig

Seit Jahren kämpft Bad Königshofen mit Leerständen und dem Rückgang klassischer Geschäfte – befeuert durch den Onlinehandel, verändertes Konsumverhalten und fehlende Nachfolgen. Einig sind sich die Kandidat*innen in der Diagnose, die Ansätze unterscheiden sich jedoch in Ton und Instrumenten. Frank Helmerich denkt an handfeste Impulse: Prämien für Leerstandssanierungen, Beratung über ein städtisches Architektenteam sowie einen städtischen Startzuschuss für neue Läden; zugleich will er Erfahrungen aus erfolgreichen Nachbarstädten einholen. Rüdiger Stamm und Petra Friedl betonen die Schwierigkeit, zusätzlichen Einzelhandel dauerhaft zu etablieren; Friedl setzt deshalb besonders auf aktive Standortkommunikation – „die Werbetrommel rühren“ – und die konsequente Nutzung bestehender Sanierungs- und Abschreibungsvorteile in der Altstadt. Andre Ankenbrand sieht die Verwaltung als ersten Dienstleister der Bürgerschaft: Er will frühzeitig und regelmäßig mit den Geschäftsleuten sprechen, Bedarfe erkennen und die Stadt als Vermittlerin bei Nachfolge und Konzeptentwicklung positionieren. Dirk Schneider legt den Schwerpunkt auf Gastronomie und Aufenthaltsqualität als realistischste Anker für die Innenstadt – flankiert von attraktiven Märkten und einem Marktplatz, der zum Verweilen einlädt. Zusammengefasst: Gegen das Ladensterben helfen keine Patentrezepte, wohl aber ein Bündel aus Aktivierung leerer Immobilien, zielgerichteter Förderung, intensiver Betreuung durch die Stadt und einer profilstarken Außendarstellung – mit Gastronomie und Aufenthaltsqualität als Zugpferden.

 

Wasserversorgung: Zwischen regionalen Lösungen, Fernwasser und Eigenständigkeit

Bad Königshofen zählt seit Jahren zu den trockensten Städten Bayerns – die Sicherung der Wasserversorgung ist daher zentrales Zukunftsthema. Frank Helmerich und Rüdiger Stamm stehen länderübergreifenden Lösungen offen gegenüber: Thüringer Wasser wäre für beide kein Tabu; Helmerich kann sich zudem Kooperationen mit Münnerstadt oder Hildburghausen vorstellen. Andre Ankenbrand plädiert klar für den Anschluss an die Fernwasserversorgung Oberfranken und verweist – wie Petra Friedl – auf die angespannte Haushaltslage: Eine Lösung vollständig aus eigener Kraft hält er nicht für finanzierbar. Friedl setzt in der Reihenfolge auf „innen vor außen“: zuerst konsequente Nutzung und Rückhalt des vorhandenen Wassers, anschließend – als zweite Stufe – der Weg über Oberfranken. Dirk Schneider sieht großräumige Ringleitungen skeptisch und bringt zwei Alternativen ins Spiel: Zum einen die technische Aufbereitung und Brauchwassernutzung des vorhandenen Wassers als eigenständige Option, zum anderen – wo möglich – punktuelle Fernwasserergänzungen statt vollständiger Abhängigkeit von externen Leitungen. Insgesamt spannt sich der Bogen von regionalen Verbünden über den Oberfranken-Anschluss bis hin zu eigenständigen Aufbereitungsstrategien; ein gemeinsamer Nenner bleibt der sparsame Umgang mit der Ressource und der lokale Wasserrückhalt als erste Priorität.

 

Schwammregion: Vom Leitbild zur Praxis

Die Idee der Schwammregion bietet Bad Königshofen einen handfesten Ansatz, um Trockenperioden und Starkregen besser zu bewältigen: Wasser lokal zurückhalten, versickern lassen, speichern und sinnvoll nutzen. Frank Helmerich und Petra Friedl plädieren für Dachbegrünungen als bauliche Klimaanpassung; Helmerich will darüber hinaus Rückhalteteiche im städtischen Umfeld ausweiten, um Regenwasser zeitversetzt verfügbar zu machen. Andre Ankenbrand sieht großes Potenzial, möchte konkrete, praxistaugliche Maßnahmen aus der Kick‑off‑Veranstaltung der Schwammregion Streu‑Saale abwarten, um evidenzbasiert vorzugehen. Friedl will Elemente der Flurbereinigung rückgängig machen, Bäche renaturieren und so Retentionsräume schaffen, die Wasser in der Fläche halten und die Grundwasserneubildung fördern. Dirk Schneider fokussiert auf versickerungsfreundliche Bauweisen wie Rasengittersteine statt Asphalt, kombiniert mit Wasserspeichern für Brauchwasser, die im Bedarfsfall auch zur Feldbewässerung dienen können. Gemeinsam zeichnen die Positionen ein konsistentes Bild: weniger Versiegelung, mehr naturnahe Retention und Speicherung – von begrünten Dächern über Rückhalte- und Renaturierungsmaßnahmen bis zu dezentralen Speichern für die Nutzung in Stadt und Feld.

Biber: Verbündeter im Wasserhaushalt – mit klaren Spielregeln

Der Biber ist in der Region längst heimisch und kann mit seinen Dämmen Wasser in der Landschaft halten – ein Plus in trockenen Zeiten. Zugleich bringt er Konflikte mit sich, etwa an Feldern, Wegen oder technischen Anlagen. Alle Kandidat*innen betonen daher: Der Biber ist grundsätzlich Partner, braucht aber einen klaren Rahmen für den Umgang mit Problemen.

Frank Helmerich plädiert für Zonen, in denen der Biber ungestört wirken kann, erkennt jedoch an, dass nicht jeder Eingriff verhindert und „nicht alle Biber“ überall geschützt werden können. Andre Ankenbrand setzt auf frühe Konfliktlösung mit Betroffenen und Biberbeauftragten und hält in begründeten Einzelfällen auch Einzelentnahmen für möglich. Petra Friedl favorisiert bei Problemstellen die Umsiedlung, um Schäden zu vermeiden und gleichzeitig den ökologischen Nutzen zu erhalten. Unterm Strich zeichnet sich ein abgestufter Ansatz ab: Lebensräume sichern, Konflikte früh moderieren, technische Schutzmaßnahmen ausschöpfen – und nur dort eingreifen, wo es keine praxistaugliche Alternative gibt.

 

Fair Trade: Vorbild, Vielfalt und freiwillige Umsetzung

Seit 2025 ist Bad Königshofen Fairtrade-Town – ein Anspruch, der Haltung zeigt und zugleich praktische Fragen aufwirft: Wo und wie setzt die Stadt faire, regionale und ökologische Produkte ein, ohne Vereine zu überfordern? Frank Helmerich plädiert für einen Mix aus Fairtrade-, Regional- und Bioprodukten – im Stadtrat bei Essen und Trinken ebenso wie bei Gastgeschenken. Als sichtbares Bekenntnis regt er zudem einheitliche Arbeitskleidung für städtische Beschäftigte an, versehen mit dem Stadtlogo und dem Fairtrade-Town-Logo. Rüdiger Stamm und Andre Ankenbrand unterstützen den Einsatz regionaler Produkte bei Geschenken und Festen – etwa beim Bürgerfest –, wobei Ankenbrand betont, den Vereinen keine Vorschriften machen zu wollen und stattdessen auf Vorbildwirkung und Freiwilligkeit setzt. Petra Friedl hebt die Vorbildfunktion der Stadt hervor, etwa mit fairen bzw. regionalen Präsentkörben, und kann sich vorstellen, regionale Getränke stärker in den Vordergrund zu rücken. Dirk Schneider stellt den Nutzen des Fairtrade-Siegels grundsätzlich in Frage und nennt es „wertlos“, befürwortet jedoch mehr Regionalität – etwa über einen Bauernmarkt oder regionale Angebote bei Stadtfesten – ebenfalls ohne verbindliche Vorgaben. Im Ergebnis reicht das Spektrum von klarer Sichtbarkeit und aktiver Beschaffungspolitik bis zu regionaler Profilbildung auf freiwilliger Basis; gemeinsamer Nenner ist, dass die Stadt durch eigenes Handeln Orientierung geben kann – ohne den Charakter städtischer Feste und die Autonomie der Vereine zu beschneiden.

 

Fazit

Bad Königshofen steht vor zentralen Entscheidungen: Stadtgrün und Marktplatz mit Augenmaß weiterentwickeln, Tempo 30 dort umsetzen, wo es Sicherheit bringt, Leerstände mit klugen Konzepten beleben, Wasser sichern durch Schwammregion, Vernetzung und sparsamen Umgang – und als Fairtrade‑Town Vorbild zeigen. Die Kandidat*innen setzen unterschiedliche Schwerpunkte, liefern aber wertvolle Ansatzpunkte für die kommenden Jahre. Machen Sie sich Ihr eigenes Bild – und nutzen Sie Ihre Stimme: Gehen Sie am 8. März auf jeden Fall zur Wahl. Jede Stimme zählt für die Zukunft unserer Stadt.